Poetryslam, Politik und persönliches Auseinandersetzen mit Luther – Reformationsfest in Trier

Tier. Am Sonntag, 24. September, fand das Reformationsfest des Kirchenkreises im Palastgarten Trier statt. Mit dabei: Sechs Poetryslammer und -Slammerinnen, die mit ihren Texten zu Politik, Sozialem und Luther begeisterten.

„Sonntagnachmittag, 15:30, Sonnenschein auf den Liegewiesen im Palastgarten“ begrüßt Moderator Peter Stablo die Zuschauer, die sich zahlreich auf den Sitzbänken vor der großen Bühne eingefunden haben.

An den vielen Ständen auf dem Reformationsfest gibt es viel zu entdecken, Foto Miriam Wilms
An den vielen Ständen auf dem Reformationsfest gibt es viel zu entdecken, Foto Miriam Wilms

Katinka Fries, Jungendreferentin im Kirchenkreis Trier, ist zuständig für das Reformationsfest und möchte damit Reformation „für Kinder und Jugendliche zugänglich machen“. Es soll darum gehen, dass die Kinder überlegen, welche Thesen heute wichtig sind und was sie selbst der Gesellschaft sagen wollen. Frau Fries überlegt bei der Frage nach ihrer eigenen These und sagt schließlich: „man sollte glücklicher sein, die Augenblicke genießen, inne halten in dieser hektischen Welt.“

Heute im Palastgarten ist das möglich, das Wetter ist perfekt um im Park zu sitzen, etwas zu essen und zu trinken, eine der vielen Spielaktivitäten zu nutzen und sich Poetryslams anzuhören. Denn das steht heute im Mittelpunkt: Der Vorentscheid des Projektes „Wortanschlag“, bei dem Jugendliche und junge Erwachsene mit ihren eigenen Texten gegeneinander antreten.

Auch für die Jüngeren gibt es viele Spielmöglichkeiten im Palastgarten, Foto Miriam Wilms
Auch für die Jüngeren gibt es viele Spielmöglichkeiten im Palastgarten, Foto Miriam Wilms

Schon am Vormittag konnten interessierte Festbesucher an einem Poetryslam-Workshop teilnehmen, spontan Gedanken austauschen und improvisieren. Einer von ihnen, Thomas, traut sich sogar beim späteren Wettkampf mit auf die Bühne.

Außer ihm sind es noch fünf weitere  Teilnehmer: Martin Schüttö, Philipp Dewald, Benedict Hegemann, Vroni Tombers und Teresa Hanck.

Die sechs Teilnehmer beim Wortanschlag in Trier v.l.n.r. Thomas, Teresa, Vroni, Benedict, Philipp und Martin, Foto Miriam Wilms
Die sechs Teilnehmer beim Wortanschlag in Trier v.l.n.r. Thomas, Teresa, Vroni, Benedict, Philipp und Martin, Foto Miriam Wilms

Der Slam beginnt, und schnell wird klar: Dass heute auch Bundestagswahl ist, ist sowohl Slammern als auch Zuschauern bewusst. Die Texte der jungen Erwachsenen drehen sich um Politik, kritisieren und erläutern aktuelle Zustände. Martin beginnt und setzt in seinem Vortrag Zitate von Martin Luther kritisch in Verbindung zur heutigen Politik: „‘Kein Irrtum ist so groß, der nicht seinen Zuhörer hat‘“ zitiert er Luther und bezieht diese These im nächsten Satz auf den amerikanischen Präsidenten Donald Trump und seine Wähler. In seinem Text bezieht er sich unter anderem auch direkt auf die aktuelle Wahl und die Nichtwähler: „Das ist die gefährlichste Anfechtung, wenn keine Anfechtung da ist“. Doch Martin hat Hoffnung und endet mit einem Appell: Sich die Aussage Luthers „Wenn ich wüsste, dass morgen der jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“ zu Herzen zu nehmen und etwas zu ändern.

 

Benedict ist 26, freiberuflicher Künstler, organisiert eigenes Poetryslamming in Frankfurt und  ist ebenfalls sehr politikinteressiert. Er ruft das Publikum zum Mitmachen auf, fragt, wer heute schon wählen war. Fast jeder Zuschauer zeigt auf. Dass es eine möglichst hohe Wahlbeteiligung gibt, scheint heute in Trier jedem sehr wichtig zu sein. Benedicts Wunsch ist es, mehr Demokratie zu wagen, er sieht allerdings auch, dass dies nicht immer ohne Arbeit funktioniert: „Demokratie  ist kein Kaffee zu mitnehmen“ sagt er, „Wohin führt der Weg? Das liegt an euch“.

 

Auch in dem Poetryslam von Philipp geht es um Missstände und aktive Hilfe. Die Individualität der Vorträge zeigt sich in Philipps Text: Er ist in Reimform und klingt eher wie ein Gedicht. Philipp setzt die Realität als harte Gegenwart zu einer friedlichen Traumwelt, kritisiert: „Die Welt dreht und dreht sich, kaum einer versteht sich“ und ruft am Ende dazu auf, „[…] mehr Platz zu schaffen voll Freiheit und Liebe wo jeder gern bliebe“. Ein Aufruf, der gut zur Reformation passt.

 

Als nächstes betritt Vroni die Bühne: Es sei ihr erster Slam, erklärt sie direkt,  und bittet um Güte. Darum dreht sich auch ihr Text: An Hand der Geschichte von Romeo und Julia stellt sie soziale Ungerechtigkeit dar. „Ihr solltet anderen ihr Glück gönnen, in Zeiten in denen Glück eine Rarität geworden ist“ erinnert sie.

Und auch Thomas, der spontan dabei ist, möchte in seiner Geschichte über einen roten Pavillon mehr Glück und Freundschaft schaffen. In einem kleinen Seitenhieb schließt er seine Rede mit der Aussage „wir hoffen alle, die AfD bleibt draußen, und alles wird gut!“.

 

Das zweite teilnehmende Mädchen ist Teresa, sie ist 20 und heute das zweite Mal bei einem Poetryslam dabei. Sie hat einen Text vorbereitet, den sie geschrieben hat, nachdem sie wieder stundenlang vor dem Computer saß. Sie erzählt von dem         Versinken in die Welt des Internets und befasst sich damit, ob diese Erfindung „uns eigentlich gut tut“. Teresa lässt den Zuschauer an ihren Gedankengängen teilhaben und erklärt: „doch wo bleibt da das eigenständige Denken? War es nicht das ausbrechen einzelner Menschen aus den Normen was die breite Masse zu Reformen gebracht hat? […]  warum den Tag nicht einfach vor sich hinplätschern lassen, unsere Zeit verschwenden und machen was uns gefällt, und dann vergessen wir einmal das Geld?“ Das Publikum jubelt.

 

Die Abstimmung ist schnell vollzogen: Der Moderator Peter Stablo erklärt, dass das Publikum mit seinem Applaus entscheidet, je mehr Applaus, Gerufe und Getrommel man höre, desto besser würde der jeweilige Slammer abschneiden. Für jeden der Teilnehmer gibt es einen tosenden Applaus, am lautesten ist er bei Teresa. Sie wird nach vorne gerufen und als Gewinnerin ernannt.

Teresa Hanck darf nun am 7. Oktober zum „Wortanschlag“ Poetryslam Finale nach Köln und sich dort behaupten. Was sie dort vortragen möchte, weiß sie noch nicht, allerdings ginge es in ihren Texten immer um etwas, was sie „irgendwie nervt“. Damit wolle sie wachrütteln und das Bewusstsein dafür schaffen, dass man Dinge, die einem nicht gefallen, ruhig ansprechen darf.

 

Gewinnerin Teresa Hanck, 20 Jahre alt
Gewinnerin Teresa Hanck, 20 Jahre alt

Nach dem Poetryslam ist jedoch noch nicht alles vorbei: Es gibt viele Stände mit Essen und Trinken, Kinderbasteln und Infostände zum Lutherjahr. Frauke Euen, Hauptamtliche Mitarbeiterin im Evangelischen Kirchenkreis Prüm, leitet die Kinderbetreuung. Dort können Lutherfaltbilder gemacht werden, es gibt „Basteln mit der Lutherrose“ sowie Freundschaftsbänder zum Knüpfen. Besonders gut gefällt Frau Euen das „friedliche, freudige Treiben“ heute beim Reformationsfest. Sie finde es sehr wichtig, so ein Fest zu veranstalten, da die Reformation ihrer Meinung nach noch lange nicht abgeschlossen sei.

„Es muss ja noch viel passieren“, sagt sie, „mehr Menschenliebe auch über Religionen hinaus. Wenn Ende der Woche ein gemeinsames Abendmahl stattfinden könnte, das würde mir gefallen!“

 

Von Miriam Wilms

 

Ein knapper Kampf

Der Poetry Slam ist eine Kunst für sich. Ein moderner Dichterwettbewerb ohne große Vorschriften. „Poetry“ steht für die Lyrik, „slam“ bedeutet im englischen „zuschlagen‘“, oder auch „scharfe Kritik“ zu äußern. Also ob der Slammer sich über Gott und die Welt, persönliche Probleme oder kritische Standpunkte äußert ist prinzipiell egal. Das wichtige ist: Der Text muss vollständig von sich selbst sein.

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Am 15. September 2017 fand einer der letzten Vorentscheide für das Finale der Poetry Slam- Reihe „Wortanschlag“ anlässlich des Reformationsjubiläums in Remscheid-Lennep statt. Im evangelischen Gemeindezentrum Hasenberg duellierten zwei Poetinnen um das Ticket nach Köln. Denn dort findet am 07. Oktober 2017 das große Finale mit allen Siegern der Kirchenkreise in der Trinitatiskirche statt.

Moderiert wurde das wortreiche Spektakel von Max Humpert. Er selbst steht schon seit ein paar Jahren auf den großen Bühnen des Poetry Slams im deutschsprachigen Raum und trug zu Beginn einen seiner Texte über Trennungen vor. „Manchmal beginne ich Beziehungen um sie direkt wieder zu beenden, damit ich dann einen neuen Text hab“, scherzt er.

An diesem Abend beginnt Anne Marie Faßbender. Die 20-Jährige schreibt schon seit Jahren Texte; poetisch sowie auch für Gottesdienste. Die Worte mit denen sie überzeugen will beziehen sich auf das Thema „Wortanschlag“. Denn sie will ihr Wort nutzen und ihre Sicht auf Martin Luthers Waffe darstellen: das Wort. In ihrem Text appelliert sie an das Publikum sich eine eigene Sichtweise, auf die Dinge die in der Welt passieren, zu schaffen und ihr Wort zu nutzen.

Konkurrentin Charlin Lutger, auch 20 Jahre alt, slamt seit circa 2 Jahren. Begonnen mit dem Poetry Slam hat sie in der Schule im Fach Literatur. Charlin spricht in ihrem Text über die Situation auf der Erde; über Kriege, Armut und falsche Machtausübung. Immer wieder kommt sie zu dem Schluss, was wir für ein großes Glück wir haben, in einem Land mit Grundrechten zu leben.

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Am Ende entscheidet sich das Publikum mit farbigen Kärtchen für Anne Marie Faßbender. Sie gewinnt mit nur einem Punkt Vorsprung und tritt am 07. Oktober 2017 im Finale in Köln für den Kirchenkreis Remscheid-Lennep an.

Carla M. Siebel

Eine Woche im youngPOINTreformation

Mit Bodenkontakt und hoch hinaus

Bericht aus einer Woche im youngPOINTreformation – dem Beitrag der Evangelischen Jugend (aej) auf der Weltausstellung Reformation in Wittenberg im Torraum Jugend

Sechzehn Wochen lang öffnete, im Rahmen der Weltausstellung Reformation, in Wittenberg der youngPOINTreformation seine Pforten. Über 27.000 Besucher_innen waren dabei.

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Finde dein Maß

Im Ausstellungsraum ging es in vielen interaktiven Stationen und Workshops um die Frage nach dem guten Leben für alle und dem richtigen Maß. An einer Füllstation konnten die Besucher_innen z.B. ihren ökologischen Fußabdruck bemessen oder an einem Drucker auf Neonpapier ihre Botschaft zum Thema ausdrucken und im youngPOINT sichtbar für alle hinterlassen. Im Altarraum mitten im youngPOINT wurden zahlreiche Andachten und Gottesdienste von und mit Jugendlichen gefeiert.

Auf dem Dach des youngPOINT konnten Jugendgruppen und Einzelbesucher durch ein erlebnispädagogisches Kletterangebot mit Riesenschaukel, Himmelsleiter und anderen Hochseilelementen neue Perspektiven gewinnen und Vertrauen und Mut erfahren.

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Junge Verbände als Gastgeber

Jede Woche  übernahm eine andere Gruppe der Evangelischen Jugend in Deutschland die Rolle der Gastgeber_in. In der letzten Woche der Weltausstellung vom 4.-10.September waren das Jugendliche aus den jungen Jugendverbänden „Gemeinschaft finnisch-deutscher Jugend“ (GfdJ) und der „Evangelisch-vietnamesischen Tin-Lahn Gemeinden in Deutschland“. Gemeinsam hatten sie sich im Vorfeld in der Evangelischen Jugendbildungsstätte Hackhauser Hof in Solingen auf die Woche vorbereitet und ein vielfältiges Workshop-Programm erarbeitet.

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Räume für und mit Jugendlichen gestalten

Im Rahmen der Botschaften-Woche der Weltausstellung besuchten zum Abschluss Verteter_innen der EKD und Staatssekretär Dr. Ralf Kleindiek des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend den „Torraum Jugend“ der Weltausstellung um Botschaften zu sammeln.  Es wurde deutlich, dass der Torraum Jugend, zu dem neben dem youngPOINT auch der „Refobeach“ des CVJM und das Konficamp gehörten, von angereisten und in Wittenberg beheimateten Jugendlichen super angenommen und gestaltet wurde. In Wittenberg werden aktuell konkrete Überlegungen angestellt, wie Räume für Jugendliche in der Stadt, die durch die Weltausstellung neu entstanden sind, für und mit Jugendlichen nachhaltig gestaltet werden können.

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youngPOINT-Blog

Mehr Eindrücke aus einem ereignisreichen Sommer im youngPOINT findest du hier:

www.young-point.de

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Hannah Werner

Poetry Slam Workshop zum Wortanschlag-Vorentscheid in Düsseldorf

Am 23. Und 24. September fand in der Jugendkirche Düsseldorf mal wieder ein Poetry Slam Workshop statt.  Dieses Mal im Rahmen der Poetry Slam Reihe „Wortanschlag – Deine These“, einem Beitrag der Evangelischen Jugend im Rheinland anlässlich des 500-jährigen Jubiläums der Reformation.

Fünf Teilnehmer*innen, ein Mitarbeiter,  ein Workshopleiter und ein Fehrnsehteam versammelten sich zu diesem Anlass.

Es wurde an Texten gefeilt, vorgetragen, improvisiert, gelacht, andere Stimmungen ausprobiert, und immer mal wieder mit dem Fernsehteam von neuneinhalb gesprochen.

Wer einen Einblick in unseren Workshop gewinnen will kann am 28.10. um 8.25 Uhr „neuneinhalb“, im Ersten, einschalten.

Einige Ergebnisse des Workshops gibt es am 02.10.2017 ab 19 Uhr beim Wortanschlag Vorentscheid in der Jugendkirche zu sehen und zu hören.

Ich will keine Angst mehr haben!

Hargesheim. Jugendliche der evangelischen Jugend im Kirchenkreis An Nahe und Glan zeigen in einem Theaterstück, was ihnen die Reformation und Martin Luther heute noch zu sagen haben
Eine jugendliche Schauspielerin tritt aus einer Tür und malt den Teufel an die Wand. 13 weitere Personen stehen auf der Bühne des Ev. Gemeindezentrums Hargesheim, murmeln vor sich hin, dann ein Schrei: „Ich habe Angst!“ Es geht viel um Angst im ersten Teil des Theaterstückes „95 Thesen für eine andere Welt“, das die Jugendlichen anlässlich des diesjährigen 500-jährigen Reformationsjubiläums unter professioneller Anleitung (Regie: Julia Hahn) selbst erarbeitet haben. Um die Angst, nicht zu genügen, nicht dem Idealbild zu entsprechen, nicht mehr mitzukommen in dieser Welt. An einer anderen Tür, die wie ein Smartphone gestaltet ist, öffnet sich das Fenster zur Welt und es flackern Medienbilder über das Display, wie wir sie heute tagtäglich sehen. Explosionen, verletzte Menschen, Überschwemmungen, Flüchtlingsströme. Es sind Bilder zum Angst haben.

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In ihrem Stück sind die jugendlichen Spielerinnen und Spieler auf der Suche nach Orientierung und nach einem Weg, ihre Ängste zu überwinden. Dabei scheint auch immer wieder die Auseinandersetzung mit Luther durch, wenn er Szenen kommentiert oder wenn aus den Wortbildern, die er vor 500 Jahren durch seine Bibelübersetzung schuf, plötzlich lebendige Bilder auf der Bühne werden. Immer wieder öffnen sich wortwörtlich Türen die Roy Müller zusammen mit den jugendlichen Akteuren aus der Bühnen- und Requisitengruppe geschaffen hat. Sie geben dem Publikum in 95 Thesen und Szenen Einblick in die Gedanken der Jugendlichen, die aus ihrer Lebenswelt von Diskriminierung, Ausgrenzung, Intoleranz und vor allem immer wieder von Angst und Orientierungslosigkeit erzählen. Sie prangern an, was aus ihrer Sicht in unserer Welt verkehrt läuft. Eine der aussagekräftigsten Szenen ist dabei der bildhaft dargestellte Kampf der schlechten Nachrichten, die die wenigen guten Nachrichten, die Hoffnung geben könnten, förmlich ersticken.

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Doch die Jugendlichen malen nicht nur schwarz, sie geben auch Ausblicke. Irgendwann wird der Teufel abgewischt und die düstere Atmosphäre wird aufgebrochen. Denn es gibt Vorbilder, an denen man sich orientieren kann, es gibt Möglichkeiten, die Welt zu verändern, auch wenn es einem nicht so scheint. Zu diesem Schluss kommen die Spieler. Jeder Zuschauer bekommt seinen ganz persönlichen Denkzettel und schließlich verkünden alle Spielerinnen und Spieler in einer kurzen These, wie sie gedenken, die Welt zu verändern. Der letzte Satz, der auf der Bühne fällt, spiegelt dann nach einer Stunde gedankenvoller Auseinandersetzung wieder, was alle denken: „Ich will keine Angst mehr haben!“

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Wer die Premiere verpasst hat, hat noch zweimal die Chance, das Stück auf der Bühne zu erleben. Weitere Vorstellungstermine sind angesetzt für Samstag, 28.10.2017 um 18:00 in der Ev. Matthiaskirche in Bad Sobernheim sowie für Samstag, 18.11.2017 um 18:00 in der Ev. Pauluskirche Bad Kreuznach.

Gottesdienst unter der Autobahnbrücke

Jugendliche feiern Reformationsjubiläum

So eine Autobahnbrücke mit ihren dicken Stützsäulen ist schon ein gewaltiges Bauwerk. Nicht nur die Größe ist beeindruckend, auch der darüber rauschende Verkehr. Am frühen Sonntagabend wurde der Platz unter der Autobahnbrücke zwischen Gießen und Wißmar für etwa 70 junge Leute aus Wettenberg zur Kathedrale. Hier wurde ein Jugend-ChristCross-Gottesdienst an ungewöhnlicher Stelle gefeiert und damit im Rahmen der Veranstaltungsreihe „95 Gottesdienste an ungewöhnlichen Orten“. Mit dem Projekt zeigt die rheinische Kirche, dass sich der Glaube von Christen mitten im Alltag vollzieht.

Das Wettenberger Gottesdienstteam, bestehend aus jungen Leuten, geleitet von Jugendreferentin Amrei Magdanz (Krofdorf) und Diakon Ernest Aguirre (Wißmar), gestaltete den Jugendgottesdienst zum Thema „Du bist nicht allein“ mit Liedern „Du bleibst an meiner Seite“, „Groß ist unser Gott“, „Halleluja“ und dem von Ernest Aguirre getexteten und komponierten Lied: „Das geht doch nicht …“ – inhaltlich die Geschichte erzählend, die zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus mit Jesus erlebt haben. Ernest Aguirre führte aus: „Gott ist da, gegenwärtig wie es in einem alten Gesangbuchlied heißt. Er will unser Leben prägen und es ist cool , dass ich, dass du mit Gottes Hilfe in diese Zeit und Welt hineinwirken dürfen.“

Eine Wasserschöpf-Staffel, es wurde mit Schwämmen möglichst viel Wasser von Eimer zu Eimer getragen, wies darauf hin, wie wichtig gemeinschaftliche Aktionen sind, wenn sie zum Erfolg führen sollen. Im von jungen Leuten gestalteten Fürbittengebet lautete eine Bitte: „Hilf, dass es immer wieder zu Wundern des Friedens kommt, hilf uns, dass wir trotz so viel Uneinigkeit, Streit und Krieg in dieser Welt Boten des Friedens sein können.“

Das Bistroteam überraschte nach dem Gottesdienst und dem gemeinsamen „Vater unser“ mit Eiskonfekt.

Der nächste ChristCross-Gottesdienst findet am Sonntag, 27. August um 18 Uhr im Turm der Evangelischen Kirche in Wißmar statt.

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Kinder interpretieren Reformator Martin Luther

Musicalaufführungen in Krofdorf und Wißmar:

2017 ist das Reformationsjahr, in dem unzählig viele Veranstaltungen zu „Luther im Blick“ stattfinden. Vorträge, Kochsendungen, Theater und Musikangebote in Hülle und Fülle sind angesagt.

„Da passiert was“ hieß es am Samstagnachmittag in der Margarethenkirche in Korfdorf sowie am Sonntagnachmittag in der evangelischen Kirche in Wißmar. Bei „Da passiert was“ handelt es sich um ein Kindermusical zum Reformator und das spannende Geschehen um einen Mann, der die Kirche nicht spalten, sondern verändern wollte. Seitdem ist vieles anders. Damit auch Kinder verstehen, was Reformation bedeutet, weshalb sie notwendig war und was sich verändert hat, setzten sich zwei aktive hauptamtliche kirchliche Kinder- und Jugendmitarbeiter, die Krofdorfer Jugendreferentin Amrei Magdanz und der Wißmarer Diakon Ernest Aguirre, zusammen, um ein Luther-Musical für Kinder zu schreiben und auch Lieder dafür zu komponieren.

21 Kinder aus Wettenberg ließen sich einladen, mitzumachen beim Musical-Abenteuer „Da passiert was“, zu und über den Reformator Martin Luther und seine Erfahrungen. Theater ist eine gute Möglichkeit, Reformation zu erleben. Man versetzt sich in Personen hinein und bekommt ein Gefühl für sie. Luther wollte den Leuten die Angst nehmen, er setzte alles auf Christus und wurde nach manchen Nöten frei von den kirchlichen Zwängen seiner Zeit. „Der Christ soll ein fröhlicher Mensch sein“, lautet eine Aussage von Martin Luther.

Die Texte zum Musical schrieb Amrei Magdanz, Ernest Aguirre, den man sich ohne Gitarre kaum vorstellen kann, schrieb die Lieder und begleitete sie auf seiner Gitarre. „Da passiert was, da kommt was ins Rollen, da passiert was. Es verändert die Welt… der Papst kann keine Schuld erlassen, er soll den Ablassbrief abschaffen. Er soll für Menschen beten … und nicht das Geld der Armen klauen…“ So das Einstiegslied zum Musical, von den Kindern sehr eindrucksvoll dargeboten. Beleuchtet in Texten und Liedern wurde der Weg Luthers zur Zeit des Mittelalters auf dem Feld bei Stotternheim, auf dem Luther in ein Gewitter geriet, im Kloster und im Thronsaal des Kaisers. Luther widerrief seine Aussagen nicht, wurde durch den Bann des Papstes als vogelfrei erklärt und landete versteckt auf der Wartburg, wo er dann später die Bibel übersetzte, damit sie endlich von vielen gelesen werden konnte.

Die jungen Schauspieler steckten in Kostümen des „Sammelsuriums“, eine sehr eindrucksvolle Veränderung, denn „Kleider machen Leute“. Dem Sammelsurium gilt ein herzliches Dankeschön. Luther wurde von Saraya Wilhelm gespielt, Tetzel von Klara Daubertshäuser, die auch in andere Rollen schlüpfte. Den Kaiser spielte Marli Kaden. Alle Akteurinnen und Akteure spielten gut und waren ernsthaft dabei. Das lange Üben hat sich gelohnt und schnell wurde bei verschiedenen Szenen die Bühne jeweils leicht umgebaut. Auch für die Technik war ein tolles Team zuständig. Das Bühnenbild wurde gemeinsam gestaltet. Tatkräftige Unterstützerinnen waren hier Lisa und Claudia Kellner sowie Alexandra Alhambra. In Krofdorf spendeten knapp 100 Besucher tollen Schauspielern, Sängern und Leitern Riesenbeifall für eine großartige Leistung.

Veranstalter des Musicals sind die Evangelische Jugend des Kirchenkreises Wetzlar und die Evangelischen Kirchengemeinden Krofdorf-Gleiberg und Wißmar. Am Samstag, 23. September, um 16 Uhr wird das Musical noch einmal in der Unteren Stadtkirche in Wetzlar aufgeführt.

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Projekttag Dudweiler

Schon 2015 entwickelte die aej saar die Idee anlässlich des Reformationsjubiläums Projekttage für Konfirmanden und Konfirmanden durchzuführen, die sich mit dem Thema der Reformationszeit beschäftigen sollten. Ein erster Versuch wurde im Februar 2016 durchgeführt. Nach diesem gelungenen Tag mit 70 Konfirmanden aus Schaffhausen, Völklingen und Saarlouis haben wir den Projekttag weiter entwickelt und beschlossen Kostüme aus der Zeit anzuschaffen. Und die sind jetzt ständig im Einsatz:

am 17.9.2016 in der Kirchengemeinde Neunkirchen mit Konfis aus allen vier Pfarrbezirken. Am 7. Januar 2017 im Schullandheim Gersheim mit Konfirmanden der der Kirchengemeinde Elversberg im Rahmen eines Seminars. Am 11. Februar für Konfis aus Heusweiler und Riegelsberg und jetzt zuletzt am 25. März in Dudweiler mit Jugendlichen aus Sulzbach, Fischbach und Dudweiler.

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Aber das war es noch nicht. Im September werden wir in Sankt Wendel und noch mal in Neunkirchen mit dem Projekttag aufschlagen und den Abschluss in diesem Jahr bildet der Projekttag in Ludweiler.

Der Tag selbst kann nur gelingen weil viele ehrenamtliche mitarbeitende den Tag mitgestalten und Workshops und Planspiel mit verantworten. Dafür möchte sich das Team der aej saar bei Ihnen allen herzlich bedanken.

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Kreiskirchentag in Xanten

Der 25.Juni war ein großer Tag im Kirchenkreis Kleve. Der Kreiskirchentag fand im Archäologischen Park in Xanten statt und stand ganz unter dem Motto des Reformationsjahres „ich bin vergnügt, erlöst, befreit“. Auch für Kinder und Jugendliche gab es viele spannende Angebote. Lutherstaffel-Reporterin Franziska Thomas war für uns vor Ort.

 

Federkiele und gerappte Psalmen

„Heute ist endlich der Tag, auf den wir uns über ein Jahr vorbereitet haben.“ Christel Dückers, ehrenamtliche Mitarbeiterin des evangelischen Kirchenkreises Kleve, war froh, dass es nach den langen Vorbereitungen endlich losging.

Der archäologische Park des LVR in Xanten stellte einen Teil seiner Grünflächen zur Verfügung. Kirchengemeinden, Diakonie, Kirchenkreise und überregionale Einrichtungen bauten auf den Wiesen um das Amphitheater ihre Stände auf.

Von Armbänder basteln, Apfelbäumchen pflanzen bis Federkielschreiben war alles für Jung und Alt dabei.

 

Der Tag begann mit einem Gottesdienst im Amphitheater,ein Chor aus Geldern und Kerken und das Blasorchester des Bezirks Unterer Niederrhein unterstützten die Gäste beim Singen.  Das Lied „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“ beschrieb gleichzeitig das Motto des Tages. Der Ortspfarrer Hans-Joachim Wefers sowie Pfarrerin Irene Gierke ließen sich durch anfänglichem Regen nicht aus der Ruhe bringen und beschäftigten sich mit dem Gleichnis der Einladung zum Abendmahl. Die Konfirmanden und Konfirmandinnen aus Kalkar unterstützten das Thema durch einen gerappten Psalm 36 sowie durch eine szenische Darstellung.

 

Luther für alle Alterstufen

Nach dem Gottesdienst konnten die Besucher die verschiedenen Stände besuchen.

Jede Gemeinde oder vertrat das Thema Luther auf ihre eigene Weise.

„Wir sind nicht Luther, aber wir versuchen ihn und seine Intentionen dem Patienten näher zu bringen“, wie Silke Dahmen, Leiterin des evangelischen Fachseminars für Altenpflege in Xanten erklärte.

Aber es ist auch wichtig, die Lebensgeschichte von Martin Luther in den Kinderköpfen entstehen zu lassen. Das evangelische Schulreferat Duisburg/ Niederrhein gibt Fortbildungen für Lehrer und Lehrerinnen. Diese können sich Material wie ein Lutherquiz für den Unterricht ausleihen. Dieser Stand gefiel den Kindern besonders, denn sie konnten Lutherschlüsselanhänger basteln und Bilder ausmalen.

 

Luther auf der Bühne und die Rose als Quadratologo

„Ich habe zweieinhalb Monate für die Gestaltung und Idee der Lutherrose benötigt“. Manuel Franke, Erfinder der „Quadtrologos“ erklärte, dass ihm das kommende Projekt sehr wichtig sei. Jeder Besucher hatte die Möglichkeit kleine Leinwandquadrate anzumalen. Alle zusammen stellen eine Lutherrose dar, die in Kleve und Goch in den Kirchen zu sehen sein wird.

 

Am Ende des gesamten Tages konnten sich die Besucher ein selbstgeschriebenes Theaterstück „Ich fürchte nichts“ des N.N. Theaters aus Köln im Amphitheater anschauen. Das Schauspiel zeigte lustige Szenen mit dem schüchternen Martin Luther. Bezog sich jedoch auch auf den altertümlichen Sprachgebrauch und die teilweise „dunklen“ Seiten des Lebens Luthers. Außerdem unterstützen die Sängerinnen und Sänger des Gospelchors aus Goch und der Gruppe „aCHORd“ aus Xanten die Inszenierung tatkräftig.

Martin Luther-das Kindermusical

Martin Luther-das Kindermusical

Wenn man im Jahr 2017 ein Kindermusical plant, kommt man am Thema Martin Luther kaum vorbei. Somit war es für mich als Kreiskantorin klar, dass ein überregionales Musical das Leben und Wirken von Martin Luther beschreiben soll. Viele Luthermusicals landeten im Einkaufkorb und am Ende sollte es das brandneue Musical von Gerd-Peter Münden werden, welches erst Anfang des Jahres erschien.

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Das Werk hat es in sich: Viel Text, ein sehr großer Ambitus, und viele unterschiedliche Bühnenbilder, sehr viele Sprechrollen und ein vergleichsweise großes Orchester.

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Nun stellte sich die Frage: Wer aus dem Kirchenkreis an Nahe und Glan kann sich vorstellen, bei diesem Projekt mitzumachen? Bei meinen eigenen Chören sind es 26 Kinder, die am vorgeschlagenen Termin können, viel zu wenig für dieses große Musical. Und tatsächlich meldeten sich drei Chorleiterinnen, die das Stück für das gemeinsame Projekt einstudieren möchten. Sabine Vinke aus Hargesheim, Sabine Lagoda aus Bad Kreuznach und Mechthild Mayer aus Meisenheim.

Insgesamt waren also vier Chöre mit dabei: Die Bunten Töne (Lagoda), das Kinderchorprojekt Becherbach (Mayer), der Kinderchor Mozart 19 (Vinke) und die Amadeus-Singschule (Rinck).

Insgesamt sangen über 70 Kinder das Musical, es gab etwa 20 Solosänger und sechs große Rollen mit viel Text. Wir haben den Luther dreigeteilt, sodass drei Kinder die Rolle spielten.

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Das Orchester bestand aus elf Musikern und für viele Kinder war es faszinierend Oboen, Flöten, Schlaginstrumente und Streicher zu sehen.

Das jüngste Kind war 4 Jahre alt, das älteste 13 Jahre.

An zwei gemeinsamen Probentagen setzten alle Kinderchöre die geprobten Lieder zusammen. Die Szenen wurden geübt, die Kulissen und Requisiten zum ersten Mal eingesetzt. Am langen Probenfreitag waren einige Kinder von 10 bis 18 Uhr vor Ort. Es wurde geschauspielert, gebastelt, gesungen und gemeinsam gegessen.

Die erste Aufführung fand in der Pauluskirche Bad Kreuznach am 17. Juni statt. Der große Raum bot viel Platz aber auch eine komplizierte Akustik. Trotz einer extra gemieteten Verstärkeranlage war es schwer, überall in der Kirche gut zu verstehen. Dafür war der Chorklang sehr schön und die gut 300 Zuhörer hatten gute Sicht auf das aufwändige Spektakel. Drei große Kulissen wechselten sich ab und unzählige Requisiten wechselten in jeder Szene den Ort. Somit waren alle Helfer gut beschäftigt.

Anschließen wurden alle (!) Utensilien eingepackt, um am nächsten Tag im 40 Kilometer entfernten Heimweiler wieder aufgebaut zu werden. Ein logistischer Kraftakt und nur mit engagierten Helfern zu schaffen. Ein großer Dank gilt den KöchInnen, KulissenbauerInnen, AutofahrerInnen, Transporteuren und allen anderen, die mit angepackt haben.

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Die zweite Aufführung war akustisch einfacher, aber es war nicht so viel Platz. Dafür gab es einen Vorhang und noch einmal 200 Zuhörer.

Anschließend wurde bei Kaffee und Kuchen gefeiert. Denn die Kinder waren sehr konzentriert und einige lieferten wirklich Höchstleistungen ab.

Ich denke, dass man die Kinder noch in einigen Jahren fragen kann, was Luther so ausgemacht hat, und sie werden sich an vieles erinnern: An sein Leben als Mönch nach dem Unwetter, an seine Befragung in Worms, an seine geliebte Katharina und an den Thesenanschlag. Sie kennen drei seiner Lieder (Ein feste Burg, Nun freut euch liebe Christengmein, Von Himmel hoch) und seine Worte vor dem Kaiser.

Ein erfolgreiches Projekt. Ich bedanke mich im Namen der Veranstalter für die Aufnahme in die Lutherstaffel!

Kreiskantorin Cindy Rinck