Die Botschaft nimmt uns gefangen

Für die Lutherstaffel habe ich mich auf den weiten Weg nach Rheinland-Pfalz gemacht, genauer gesagt in den Kirchenkreis Simmern-Trarbach, denn dort findet jedes Jahr ein Pfingstzeltlager für Kinder von 8-12 Jahren statt. Nach Themen wie „Der Wilde Westen“ oder „Piraten“ hieß das Thema in diesem Jahr passend zum Reformationsjubiläum „Protest ist Dein Fest“.

Rund 80 Kinder haben das Pfingstwochenende vom 03.06 bis zu 05.06 auf dem Sportplatz in Irmenach verbracht und dabei ein bisschen über die Zeit Luthers und dessen Protest gegen die Kirche gelernt. Betreut wurden die Kinder dabei von 32 Mitarbeitern.

Pfingstzeltlager_2017

Als ich auf dem Sportplatz ankam viel mir sofort eine große Traube von Kindern an einem der ersten Stände auf. Beim Näherkommen wusste ich auch warum. Ein Schmied hatte eine kleine mobile Schmiede aufgebaut an der die Kinder ihre eigenen Kleiderbügel oder Hufeisen schmieden konnten. Am beliebtesten bei den Kindern war allerdings das Brecheisen welches aus einer kleinen Eisenstange gefertigt wurde. In absoluter Teamarbeit gingen die Kinder dabei vor. Einer passte auf, dass das Feuer nicht ausging, einer hielt die Eisenstange während die dritte Person mit einem Hammer das glühende Eisen in Form brachte.

Während hauptsächlich Jungen an der Schmiedestelle anstanden, bereiteten sich die Mädchen auf die große Modenschau am Nachmittag vor. Mit aufwändigen Kostümen wollten sie sich vor den anderen Kindern präsentieren.

Gegen elf Uhr versammelten sich alle Kinder im großen Essenszelt. Bibelarbeit mit Pfarrer Karl Hesse stand auf dem Programm. Ich durfte mich dem Tisch der „Hofnarrinen“ anschließen. Bei viel Gesang und Rhythmus-Spielen hörten die Kinder aufmerksam zu, was ihnen über Martin Luthers Geschichte erzählt wurde. Im Anschluss daran ging ich mit meiner Zeltgruppe gemeinsam zurück in ihr Gruppenzelt, dort hatten  die Teamer bereits etwas vorbereitet. Auf dem Boden lagen in einem Rechteck angeordnet viele Sitzpolster. Die Kinder mussten einen bestimmten Weg über die Polster gehen, den sie durch ausprobieren erst finden mussten. War der Weg gefunden, wurden die Kissen umgedreht und auf der Rückseite kamen verschiedene Bilder zu Vorschein. Anhand dieser Bilder wurde den Kindern schließlich erzählt, welche Rolle Martin Luther für die Reformation gespielt und wie er den Glauben zu Gott gefunden hat.

Manuel (24) ist Teamer beim Kinderpfingstzeltlager. Für ihn ist es besonders wichtig, dass verschiedene Religionen aufeinander treffen können und die Kinder so auch andere Religionen kennenlernen können. „Was wir vermitteln können ist ein Gemeinschaftsgefühl was auch Teil von der Kirche bzw. der Religion ist.“ Dieses Gemeinschaftsgefühl spiegelte sich beim anschließenden Kettenfangen wieder. Die Fänger standen für die Reformatoren und durch das Fangen sollte die Botschaft Gottes weitergetragen werden. Am Ende stand ein großer Kreis auf dem Sportplatz und alle Anwesenden waren in dieser Gemeinschaft involviert.

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Da ich nur den Sonntag an dem großartigen Spektakel teilhaben konnte, ließ ich mir von den Kindern etwas über das Programm des vergangenen Tages berichten. Lina (10) erzählte mir, dass am Samstag ein großes Geländespiel stattgefunden hat. In ihren Zeltgruppen mussten die Kinder an verschiedenen Stationen unterschiedliche Aufgaben lösen. Wie ich in den Gesichtern der Kinder erkennen konnte muss dies ein richtiges Abenteuern gewesen sein, denn  Emily (10), die das erste Mal ihre Pfingstferien im Zeltlager verbrachte, erzählte mir mit leuchtenden Augen, dass sie im nächsten Jahr auch wieder mit dabei sein würde.

Doch das eigentliche Highlight für viele Kinder war dann doch der Sonntagnachmittag. Beim großen Markttag haben sich die Betreuer des Zeltlagers einiges einfallen lassen damit die Kinder ein Gefühl für die Zeit Martin Luthers bekommen. Mit kleinen Goldstückchen konnten die Kinder wie auf einem richtigen Markt verschiedene Dinge erwerben. An den vielen Essensständen gab es die verschiedensten Leckereien zu kaufen und damit das Geld auch nicht knapp wurde konnten an den Spielständen Wetteinsätze vervielfacht werden. Da gab es einen ‚Hau den Lukas‘, verschiedene Glücksspiele und natürlich eine Lotterie mit regelmäßigem Ziehen der Lottozahlen. Und wenn dann doch einmal alles Geld verloren war, so gab es immer noch ein kleines Trinkgeld wenn den Teamern eine Waffel geholt wurde.

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Julius (17) ist ebenfalls Teamer in Irmenach. Auf die Frage hin weshalb er jedes Jahr wieder als Betreuer auf den Sportplatz kommt antwortete er: „Egal wie nervig es ist, egal wie stressig es ist, man fährt doch immer wieder her weil es Spaß macht.“

Viele Eindrücke, neue Freunde, neues Wissen. Was bleibt da bei den Kindern überhaupt hängen?  „Ich habe etwas über den Lebensweg von Luther gelernt und wie er gelebt hat“, berichtet die neunjährige Maja. Der ebenfalls neunjährige Justin wusste vor dem Zeltlager nicht, dass Luther auch die Bibel ins Deutsche übersetzt hat und Emily fand die 95 Thesen am interessantesten. Was aber alle Kinder mit nach Hause nehmen werden sind wertvolle Erfahrungen und viele neue Freunde. Am Montag folgte noch ein großer Abschlussgottesdienst bevor die Kinder wieder von ihren Eltern abgeholt und zurück ins 21. Jahrhundert gerissen wurden.