Die sechs Teilnehmer beim Wortanschlag in Trier v.l.n.r. Thomas, Teresa, Vroni, Benedict, Philipp und Martin, Foto Miriam Wilms

Poetryslam, Politik und persönliches Auseinandersetzen mit Luther – Reformationsfest in Trier

Tier. Am Sonntag, 24. September, fand das Reformationsfest des Kirchenkreises im Palastgarten Trier statt. Mit dabei: Sechs Poetryslammer und -Slammerinnen, die mit ihren Texten zu Politik, Sozialem und Luther begeisterten.

„Sonntagnachmittag, 15:30, Sonnenschein auf den Liegewiesen im Palastgarten“ begrüßt Moderator Peter Stablo die Zuschauer, die sich zahlreich auf den Sitzbänken vor der großen Bühne eingefunden haben.

An den vielen Ständen auf dem Reformationsfest gibt es viel zu entdecken, Foto Miriam Wilms
An den vielen Ständen auf dem Reformationsfest gibt es viel zu entdecken, Foto Miriam Wilms

Katinka Fries, Jungendreferentin im Kirchenkreis Trier, ist zuständig für das Reformationsfest und möchte damit Reformation „für Kinder und Jugendliche zugänglich machen“. Es soll darum gehen, dass die Kinder überlegen, welche Thesen heute wichtig sind und was sie selbst der Gesellschaft sagen wollen. Frau Fries überlegt bei der Frage nach ihrer eigenen These und sagt schließlich: „man sollte glücklicher sein, die Augenblicke genießen, inne halten in dieser hektischen Welt.“

Heute im Palastgarten ist das möglich, das Wetter ist perfekt um im Park zu sitzen, etwas zu essen und zu trinken, eine der vielen Spielaktivitäten zu nutzen und sich Poetryslams anzuhören. Denn das steht heute im Mittelpunkt: Der Vorentscheid des Projektes „Wortanschlag“, bei dem Jugendliche und junge Erwachsene mit ihren eigenen Texten gegeneinander antreten.

Auch für die Jüngeren gibt es viele Spielmöglichkeiten im Palastgarten, Foto Miriam Wilms
Auch für die Jüngeren gibt es viele Spielmöglichkeiten im Palastgarten, Foto Miriam Wilms

Schon am Vormittag konnten interessierte Festbesucher an einem Poetryslam-Workshop teilnehmen, spontan Gedanken austauschen und improvisieren. Einer von ihnen, Thomas, traut sich sogar beim späteren Wettkampf mit auf die Bühne.

Außer ihm sind es noch fünf weitere  Teilnehmer: Martin Schüttö, Philipp Dewald, Benedict Hegemann, Vroni Tombers und Teresa Hanck.

Die sechs Teilnehmer beim Wortanschlag in Trier v.l.n.r. Thomas, Teresa, Vroni, Benedict, Philipp und Martin, Foto Miriam Wilms
Die sechs Teilnehmer beim Wortanschlag in Trier v.l.n.r. Thomas, Teresa, Vroni, Benedict, Philipp und Martin, Foto Miriam Wilms

Der Slam beginnt, und schnell wird klar: Dass heute auch Bundestagswahl ist, ist sowohl Slammern als auch Zuschauern bewusst. Die Texte der jungen Erwachsenen drehen sich um Politik, kritisieren und erläutern aktuelle Zustände. Martin beginnt und setzt in seinem Vortrag Zitate von Martin Luther kritisch in Verbindung zur heutigen Politik: „‘Kein Irrtum ist so groß, der nicht seinen Zuhörer hat‘“ zitiert er Luther und bezieht diese These im nächsten Satz auf den amerikanischen Präsidenten Donald Trump und seine Wähler. In seinem Text bezieht er sich unter anderem auch direkt auf die aktuelle Wahl und die Nichtwähler: „Das ist die gefährlichste Anfechtung, wenn keine Anfechtung da ist“. Doch Martin hat Hoffnung und endet mit einem Appell: Sich die Aussage Luthers „Wenn ich wüsste, dass morgen der jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“ zu Herzen zu nehmen und etwas zu ändern.

 

Benedict ist 26, freiberuflicher Künstler, organisiert eigenes Poetryslamming in Frankfurt und  ist ebenfalls sehr politikinteressiert. Er ruft das Publikum zum Mitmachen auf, fragt, wer heute schon wählen war. Fast jeder Zuschauer zeigt auf. Dass es eine möglichst hohe Wahlbeteiligung gibt, scheint heute in Trier jedem sehr wichtig zu sein. Benedicts Wunsch ist es, mehr Demokratie zu wagen, er sieht allerdings auch, dass dies nicht immer ohne Arbeit funktioniert: „Demokratie  ist kein Kaffee zu mitnehmen“ sagt er, „Wohin führt der Weg? Das liegt an euch“.

 

Auch in dem Poetryslam von Philipp geht es um Missstände und aktive Hilfe. Die Individualität der Vorträge zeigt sich in Philipps Text: Er ist in Reimform und klingt eher wie ein Gedicht. Philipp setzt die Realität als harte Gegenwart zu einer friedlichen Traumwelt, kritisiert: „Die Welt dreht und dreht sich, kaum einer versteht sich“ und ruft am Ende dazu auf, „[…] mehr Platz zu schaffen voll Freiheit und Liebe wo jeder gern bliebe“. Ein Aufruf, der gut zur Reformation passt.

 

Als nächstes betritt Vroni die Bühne: Es sei ihr erster Slam, erklärt sie direkt,  und bittet um Güte. Darum dreht sich auch ihr Text: An Hand der Geschichte von Romeo und Julia stellt sie soziale Ungerechtigkeit dar. „Ihr solltet anderen ihr Glück gönnen, in Zeiten in denen Glück eine Rarität geworden ist“ erinnert sie.

Und auch Thomas, der spontan dabei ist, möchte in seiner Geschichte über einen roten Pavillon mehr Glück und Freundschaft schaffen. In einem kleinen Seitenhieb schließt er seine Rede mit der Aussage „wir hoffen alle, die AfD bleibt draußen, und alles wird gut!“.

 

Das zweite teilnehmende Mädchen ist Teresa, sie ist 20 und heute das zweite Mal bei einem Poetryslam dabei. Sie hat einen Text vorbereitet, den sie geschrieben hat, nachdem sie wieder stundenlang vor dem Computer saß. Sie erzählt von dem         Versinken in die Welt des Internets und befasst sich damit, ob diese Erfindung „uns eigentlich gut tut“. Teresa lässt den Zuschauer an ihren Gedankengängen teilhaben und erklärt: „doch wo bleibt da das eigenständige Denken? War es nicht das ausbrechen einzelner Menschen aus den Normen was die breite Masse zu Reformen gebracht hat? […]  warum den Tag nicht einfach vor sich hinplätschern lassen, unsere Zeit verschwenden und machen was uns gefällt, und dann vergessen wir einmal das Geld?“ Das Publikum jubelt.

 

Die Abstimmung ist schnell vollzogen: Der Moderator Peter Stablo erklärt, dass das Publikum mit seinem Applaus entscheidet, je mehr Applaus, Gerufe und Getrommel man höre, desto besser würde der jeweilige Slammer abschneiden. Für jeden der Teilnehmer gibt es einen tosenden Applaus, am lautesten ist er bei Teresa. Sie wird nach vorne gerufen und als Gewinnerin ernannt.

Teresa Hanck darf nun am 7. Oktober zum „Wortanschlag“ Poetryslam Finale nach Köln und sich dort behaupten. Was sie dort vortragen möchte, weiß sie noch nicht, allerdings ginge es in ihren Texten immer um etwas, was sie „irgendwie nervt“. Damit wolle sie wachrütteln und das Bewusstsein dafür schaffen, dass man Dinge, die einem nicht gefallen, ruhig ansprechen darf.

 

Gewinnerin Teresa Hanck, 20 Jahre alt
Gewinnerin Teresa Hanck, 20 Jahre alt

Nach dem Poetryslam ist jedoch noch nicht alles vorbei: Es gibt viele Stände mit Essen und Trinken, Kinderbasteln und Infostände zum Lutherjahr. Frauke Euen, Hauptamtliche Mitarbeiterin im Evangelischen Kirchenkreis Prüm, leitet die Kinderbetreuung. Dort können Lutherfaltbilder gemacht werden, es gibt „Basteln mit der Lutherrose“ sowie Freundschaftsbänder zum Knüpfen. Besonders gut gefällt Frau Euen das „friedliche, freudige Treiben“ heute beim Reformationsfest. Sie finde es sehr wichtig, so ein Fest zu veranstalten, da die Reformation ihrer Meinung nach noch lange nicht abgeschlossen sei.

„Es muss ja noch viel passieren“, sagt sie, „mehr Menschenliebe auch über Religionen hinaus. Wenn Ende der Woche ein gemeinsames Abendmahl stattfinden könnte, das würde mir gefallen!“

 

Von Miriam Wilms