Ein feierlicher Abschluss

Die größte Reformationsfeier in Deutschland fand an diesem 500. Jahrestag der Reformation im Telekom Dome in Bonn statt. Ausgerichtet von den Kirchenkreisen Bad Godesberg/ Voreifel mit Unterstützung der evangelischen Kirche im Rheinland besuchten rund 5000 Gäste die Veranstaltung an diesem historischen Abend. Direkt zu Beginn wurde das Publikum gefragt wer von den Besuchern denn eigentlich katholisch sei, beinahe die Hälfte zeigten auf und so bemühten sich die Veranstalter von Anfang an die Veranstaltung in einem ökumenischen Rahmen zu stellen.

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Dies gelang auch im Verlauf der Veranstaltung immer wieder durch verschiedene Redner und Gäste auf der Bühne, die verdeutlichten, wie wichtig es nun sei die christlichen Konfessionen untereinander aber auch in Bezug auf andere Religionen näher zusammen zu bringen. Dr. Eckhart von Hirschhausen und WDR Moderatorin Sabine Scholt moderierten den Abend und interviewten zahlreiche Personen.

Die Gäste ermutigten die Besucher aber vor allem auch Haltung zu zeigen und für das laut zu werden was ihnen wichtig ist. Dafür kamen inspirierende Beispiele wie die 88-jährige Ingeborg von Westerman aus Rheinbach, die sie sich schon Ewigkeiten um Langzeitgefangene in der JVA Rheinbach kümmert. Die deutsch-türkische Rechtsanwältin Seyran Ates war ebenfalls zu Gast und erzählte von ihren Problemen als Gründerin einer Moschee in Berlin, in der für einen liberaleren und modernen Islam geworben wird. Sie nannte Luther eins ihrer Vorbilder und zeigte auf, dass es viele Menschen gibt die einen neuen Islam wollen. Zwischendrin waren die Besucher auch selbst gefragt und sollten sich überlegen was ihnen persönlich wichtig ist und sich mit ihren direkten Nachbarn dazu austauschen. Einige sagte es danach Eckart von Hirschhausen auch direkt ins Mikrofon: „Einfach da sein und Präsenz zeigen ist wichtig“, sagte zum Beispiel einer oder: „Ich stehe ein für Toleranz und Offenheit“, eine andere Zuschauerin. Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet war zu Besuch und verdeutlichte die Wichtigkeit des Ehrenamts in unserer Gesellschaft. Auch er spricht sich für eine Annäherung der Kirchen aus. „Die christliche Botschaft ist das Beste, was man dieser Welt anbieten kann“, sagt er. „Und wir Kirchen haben so viele Gemeinsamkeiten, da sollten wir uns nicht streiten.“

Neben den zahlreichen Gästen wurde der Abend mit viel Musik gestaltet. Das Bonner Beethoven Orchester spielte mit rund 700 Musikern und einem gewaltigen Chor zahlreiche Lieder und animierten zum Mitsingen.

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Neben all den Feierlichkeiten und durchaus positiven Impulsen fehlt an diesem Abend jedoch ein wenig die Stimme auf die es ankommt. Es wird viel über Zukunft geredet, doch was genau wünschen sich junge Menschen, die maßgeblich an dieser Gestaltung teilhaben? Was für Visionen für einen Glauben und für eine Welt haben sie? Im Gespräch mit dem Ministerpräsidenten Laschet, werden zwei junge Flüchtlingshelfer auf die Bühne geholt, die erzählen was sie tun und für ihr Engagement sehr gelobt werden. Doch auch sie hätten gefragt werden sollen, was für eine Kirche sie sich wünschen, was diese Institution überhaupt noch für sie bedeutet und wo es in den nächsten 500 Jahre hingehen soll.

So sind sich alle Gäste einig: Wo die Reformation die Kirchen gespalten hat, soll dieses Jubiläum sie wieder zusammenbringen und auch in Zukunft daran gearbeitet werden. Doch leider werden die, die diese Zukunft mitgestalten an diesen Abend zu wenig berücksichtigt.

Gejagt!

An diesem 15. Oktober zeigt sich nochmal der Sommer über dem Kölner Stadtteil Mühlheim. Es ist angenehm warm, während ich einer Gruppe Konfis hinterherlaufe, die eifrig mit einer Karte und einem Säckchen voller Edelsteine durch die Straßen läuft. Immer auf der Hut vor ihren Verfolgern, die sie auf Schritt und Tritt jagen.

Die Jugendlichen sind Teil des KonfiKrimis, der von der evangelischen Jugend in Köln und Umgebung anlässlich des Reformationsjubiläums ausgerichtet wurde. An zwei Tagen nahmen über 600 Konfirmanden und Konfirmandinnen an der Aktion teil. Dabei wurden sie in kleinere Gruppen aufgeteilt und besuchten in Mühlheim Stationen an denen sie knifflige Aufgaben zu lösen hatten und ihr Wissen über Luther und die Reformation auf den Prüfstand bringen konnten. So mussten sie an einer Station Kreuzworträtsel lösen, an einer anderen symbolisch über eine Leiter klettern um Ihre Ängste zu überwinden oder sich im Bogenschießen üben.

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„Wie Rock n`Roll mit Text“

Am 02.07.2017 fand der Kölner Vorentscheid des Poetry Slam Wortanschlag – Deine These statt. Acht Teilnehmer präsentierten ihre selbstgeschriebenen Texte vor einem großen Publikum. Mit dabei waren: Tim Germund, Selina Böcher, Johannes Thurk, David Reschetow, Alexandra Selbeck, Montse Surmann, Phillip Schilling und Li Sütcu.

In insgesamt neun Vorentscheiden, die innerhalb der Landeskirche ausgetragen werden, werden die besten Nachwuchs Poetry-Slammer gesucht, die beim großen Finale am 07.Okotber 2017 in der Trinitatiskirche in Köln einen ihrer selbstgeschriebenen Texte performen werden.

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Um 18 Uhr war die Jugendkirche geistreich in Köln- Mühlheim gut gefüllt. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Ina Kruwinnus, Mitarbeiterin des Jugendpfarramtes in Köln, welches den Vorentscheid ausrichtete. „Mit diesem Format wollen wir den Jugendlichen die Chance geben ihre Meinung kundzutun, wie es damals auch Martin Luther getan hat“, beginnt sie die Veranstaltung. Das liegt nahe, denn Poetry Slam ist ein modernes Format des Dichtens, bei dem die „Slammer“ zu unterschiedlichen Themen Texte schreiben und diese vortragen.  „Selber laut zu werden und selber die Stimme zu erheben ist genau die richtige Idee um die Reformation auch heute wieder präsent zu machen und damit sehr passend für dieses Jahr“, sagt sie. Zusammen mit dem professionellen Poetry-Slammer Florian Cieslik führt sie durch das zweistündige Programm.

Texte so vielseitig wie die Teilnehmer

Die Texte der Teilnehmer behandelten die unterschiedlichsten Themen. Worte zum Klimawandel, gegen den Kapitalismus, soziale Ungerechtigkeit, Leistungswahnsinn in Uni und Schule, Willkommenskultur oder Oberflächlichkeiten in der Gesellschaft bekam das Publikum zu hören. Mit Witz, Ironie aber auch viel Ernsthaftigkeit schmetterten die Jugendlichen ihre Thesen durch die Kirche. Neben den acht Jugendlichen die sich in einem 3-tägigen Workshop auf den Vorentscheid vorbereitet haben, hatten diese auch Unterstützung von den drei professionellen Slammer Anke Fuchs, Sulaiman Masomi und Marvin Ruppert, die zwischendrin auftraten.

Nachdem alle acht vorgetragen hatten war, wie bei Poetry Slams üblich, das IMG_9469Publikum gefragt. Jeder Gast hatte drei Wäscheklammern zu Verfügung, die er dem Lieblings- slammer oder -slammerin in einen Eimer werfen durfte, um so
für ihn abzustimmen. Vorher aber sollte auf jede Wäscheklammer noch ein Wort geschrieben werden, welches für neuen Texte inspirieren sollte. Das Publikum schrieb Wörter wie „Traum, Fake und Glaube“ auf.

Mit 56 Wäscheklammern zum Sieg

Am Ende konnte der 16-jährige Tim Germund aus Hürth überzeugen und sammelte die meisten Wäscheklammern. Er wird den Kölner Kirchenkreis beim Finale von Wortanschlag -deine These am 7.Oktober in der Trinitatiskirche in Köln vertreten. In seinem Text ging es um die Entscheidungen mit denen wir tagtäglich konfrontiert sind. „Man geht durchs Leben und fragt sich, was wäre wenn ich das mache oder diesen Leistungskurs wähle. Das ist etwas was viele IMG_9517Leute bewegt, deshalb war es mir wichtig darüber zu sprechen“, sagt er. Für ihn ist Poetry Slam ein tolles Format um seine Meinung mitzuteilen. „Man kann seine Gedanken auf eine Weise zum Ausdruck bringen, die jeder versteht und jeder kann dabei seinen eigenen Stil finden. Das ist wirklich eine gute Sache.“

Auch Mitveranstalterin und Moderatorin Ina Kruwinnus ist sehr zufrieden mit der Veranstaltung. „Ich bin froh, dass so viele gekommen sind und vor allem, dass die Teilnehmer, die das alle zum ersten Mal gemacht hatten eine gute Zeit hatten. Das hat man gemerkt und das war das Wichtigste.“

Ina ist ein großer Fan vom modernen Format Poetry Slam. Deshalb war ihr die Ausrichtung dieses Vorentscheids für Köln eine besondere Herzensangelegenheit. „Poetry Slam ist wie Rock n Roll mit Text. Im Vergleich zu einer, wie ich finde, oft steifen Lesung bewegt das die Zuschauer mehr. Man hat an einem Abend ganz verschiedene Texte und ganz verschiedenen Typen, die diese unterschiedlich performen. Das macht das Ganze so spannend“ ,sagt sie.

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Was wir beim Finale in Köln von Tim zu hören bekommen weiß er aber selbst noch nicht. Nur so viel verrät er: „Man muss einfach man selbst sein, wenn man da oben steht und in Bilder sprechen. Das ist ganz wichtig. Bilder und noch mehr Bilder. Das werde ich auch fürs Finale befolgen.“

Weitere Infos zum Projekt Wortanschlag- Deine These und zum großen Finale am 07. Oktober 2017 in Köln gibt es hier.

 

 

Wir haben es in der Hand!

Vom 24.-28. Mai fand der Kirchentag im Jahr des Reformationsjubiläums in Berlin und Wittenberg statt. Ich begleitete 11 Jugendliche aus der Gemeinde Köln-Pesch dorthin. 

„Du siehst mich“ – war das Motto dieses 36. Kirchentages.

Das konnte ich nicht immer von meiner Gruppe aus 11 Jugendlichen behaupten, die ich als Leitung dorthin begleitete. Denn oft verloren wir uns aus den Augen wenn einer rief: „Da ist unsere Bahn!“, und so mussten wir alle einen Sprint einlegen und uns in die überfüllten Bahnen quetschen.  „Ich seh euch nicht mehr! Köln- Pesch wo seid ihr?“, hieß es dann. Das war das Kommando woraufhin wir alle durchzählten und uns vergewissern konnten das alle da waren.

In der Millionenstadt, die anlässlich der zahlreichen Veranstaltungen noch viel voller wurde, war es schon nicht so einfach sich zwischen den Menschenmassen, den hupenden Autos und dem Großstadtlärm immer gegenseitig im Auge zu behalten.  Doch schafften wir es in den vier Tagen in Berlin immer alle an unser Ziel und warteten geduldig an den langen Schlangen vor den Einlasskontrollen um uns Vorträge oder Konzerte anzuhören und die vielen inspirierenden Persönlichkeiten aus nächster Nähe zu sehen.

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