95 Thesen für eine andere Welt

95 Thesen für eine andere Welt. Das Stück ist eine tolle Zeitansage von Jugendlichen
Im Januar 2017 haben sich 20 Jugendliche aus verschiedenen Kirchengemeinden des Kirchenkreises An Nahe und Glan zum ersten Mal zusammengefunden, um unter professioneller Anleitung ein eigenes Theaterstück anlässlich des Reformationsjubiläums zu erarbeiten. Dabei steht vor allem die Frage im Vordergrund, was uns in einer Welt, die immer mehr aus den Fugen zu geraten scheint, eigentlich Orientierung bietet. Die Jugendlichen zeichnen mit klarem Blick Muster und Strukturen unserer heutigen Gesellschaft nach, prangern Missstände an und sind sich einig: Wir haben Angst! Doch sie zeichnen auch Visionen, wie es anders sein könnte, suchen nach Impulsen zum Auf- und Umbruch und blicken hoffnungsvoll nach vorne. Nach nicht ganz 95 Leitfragen wie „Wo musst Du Widerstand leisten?“, „Wie überwindet man Ängste?“ und „Was gibt Dir Hoffnung?“ haben die Jugendliche zutiefst persönliche Texte entwickelt und diese in Bilder verpackt. Entstanden ist eine sehr ehrliche theatrale Collage, die den Zuschauern im wahrsten Sinne Türen öffnet in die Gedankenwelt der Spieler*innen. Auch nach den Ende des Reformationsjubiläums ist die Thematik des Stückes so aktuell wie nie zuvor.

Reinfeiern in 500 Jahre Reformation

500 Jahre Reformation, das gibts nur einmal! Also haben wir reingefeiert.  Zusammen in der Christuskirche. Mit allem was dazu gehört. Mit guten Beats und chilliger Musik, viel Licht, leckeren Cocktails, anderen Getränken und gemütlichen Sofas. Pünktlich um 20.17 Uhr ging es los mit einer Vinylpredigt von Haru Specks zum Thema Reformation. Die rund 70 Besucher machten es sich auf den Sofas der Christuskirche bequem und lauschten den Klängen der ausgewählten Musik. Nach der Predigt gab es bei ruhigeren Klängen die Gelegenheit auch weiterhin die gemütliche Atmosphäre der Christuskirche zu nutzen und den Reformationsjubiläumstag beim einen oder anderen Getränk willkommen zu heißen.

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Und passend zum Reformationsgeschehen gab es für jede*n der / die einen Nagel mitbrachte ein Freigetränk um auf die Reformation anzustoßen.

#reformyourhood

Was würde ich in meinem Stadtteil, in meiner Hood, reformieren und verändern wollen? Das ist die Fragestellung hinter #reformyourhood. Kinder und Jugendliche aus ganz Düsseldorf waren dazu im Zeitraum 16.10. – 31.10.2017 aufgerufen sich ihre Umgebung genau anzuschauen und diese Frage zu beantworten. Sie konnten so, mit #reformyourhood, aktuell und in ihrer Umgebung mit dem Thema Reformation in Kontakt kommen und versuchen ihr Lebensumfeld partizipativ mitzugestalten.

Unterführung Staufenplatz, Grafenbergerallee (1)

Gewürzt wurde die Frage nach  Veränderungsmöglichkeiten mit einer Note „Guerilla-Marketing“. Ihren Reformationsbedarf schrieben die Kinder und Jugendlichen auf statisch haftende Folien, die man auf beliebige, glatte Oberflächen anbringen kann (aber auch rückstandsfrei und problemlos wieder ablösen kann) und klebten diese an die Orte, die sie verändern wollen. Die davon gemachten Fotos wurden auf Facebook und Instagram unter dem Hashtag #reformyourhood gesammelt.

Beverweg

Unser Traum: Ganz Düsseldorf ist gepflastert mit unseren #reformyourhood Folien. Ganz Düsseldorf ist es dann doch nicht geworden, aber die Kinder und Jugendlichen einiger Einrichtungen haben Orte ihrer Umgebung besucht und deutlich angezeigt, was sie nicht schön finden. So ist viel zu lesen über die Wandgestaltung und die Qualität von Graffitis und das (nicht) Vorhandensein von Fahrradständern und der Gestaltung von Spielplätzen.  Auch Müll spielt in den Augen der Kinder und Jugendlichen eine große Rolle im Stadtbild. Dabei reichen ihre Kommentare von konkreter Verschmutzung einiger Stellen bis hin zur Gestaltung und Häufigkeit von Mülleimern und Kleidersammelbehältern.  (Die Fotos zeigen eine kleine Auswahl)

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Vielen Dank an alle, die bei der Aktion mitgemacht haben. Bei Interesse kann die Aktion auch weiterhin unter dem Hashtag und mit den noch vorhandenen Folien ausgeweitet werden.

Auf den Spuren der anderen Reformatoren

Die Studienfahrt der aej Saar „Auf den Spuren der anderen Reformatoren“ fand vom 11.08.2017 bis zum 14.08.2017 unter der Leitung von Rieke Eulenstein statt. Die kleine Gruppe, bestehend aus Rieke Eulenstein und zwei Teilnehmern, besuchte im Rahmen der Studienfahrt die Städte Zürich und Konstanz. Dort lernten sie viel über die Geschichte der Reformation und vor allem über andere Reformatoren die neben Martin Luther ebenfalls wirkten.

Ein feierlicher Abschluss

Die größte Reformationsfeier in Deutschland fand an diesem 500. Jahrestag der Reformation im Telekom Dome in Bonn statt. Ausgerichtet von den Kirchenkreisen Bad Godesberg/ Voreifel mit Unterstützung der evangelischen Kirche im Rheinland besuchten rund 5000 Gäste die Veranstaltung an diesem historischen Abend. Direkt zu Beginn wurde das Publikum gefragt wer von den Besuchern denn eigentlich katholisch sei, beinahe die Hälfte zeigten auf und so bemühten sich die Veranstalter von Anfang an die Veranstaltung in einem ökumenischen Rahmen zu stellen.

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Dies gelang auch im Verlauf der Veranstaltung immer wieder durch verschiedene Redner und Gäste auf der Bühne, die verdeutlichten, wie wichtig es nun sei die christlichen Konfessionen untereinander aber auch in Bezug auf andere Religionen näher zusammen zu bringen. Dr. Eckhart von Hirschhausen und WDR Moderatorin Sabine Scholt moderierten den Abend und interviewten zahlreiche Personen.

Die Gäste ermutigten die Besucher aber vor allem auch Haltung zu zeigen und für das laut zu werden was ihnen wichtig ist. Dafür kamen inspirierende Beispiele wie die 88-jährige Ingeborg von Westerman aus Rheinbach, die sie sich schon Ewigkeiten um Langzeitgefangene in der JVA Rheinbach kümmert. Die deutsch-türkische Rechtsanwältin Seyran Ates war ebenfalls zu Gast und erzählte von ihren Problemen als Gründerin einer Moschee in Berlin, in der für einen liberaleren und modernen Islam geworben wird. Sie nannte Luther eins ihrer Vorbilder und zeigte auf, dass es viele Menschen gibt die einen neuen Islam wollen. Zwischendrin waren die Besucher auch selbst gefragt und sollten sich überlegen was ihnen persönlich wichtig ist und sich mit ihren direkten Nachbarn dazu austauschen. Einige sagte es danach Eckart von Hirschhausen auch direkt ins Mikrofon: „Einfach da sein und Präsenz zeigen ist wichtig“, sagte zum Beispiel einer oder: „Ich stehe ein für Toleranz und Offenheit“, eine andere Zuschauerin. Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet war zu Besuch und verdeutlichte die Wichtigkeit des Ehrenamts in unserer Gesellschaft. Auch er spricht sich für eine Annäherung der Kirchen aus. „Die christliche Botschaft ist das Beste, was man dieser Welt anbieten kann“, sagt er. „Und wir Kirchen haben so viele Gemeinsamkeiten, da sollten wir uns nicht streiten.“

Neben den zahlreichen Gästen wurde der Abend mit viel Musik gestaltet. Das Bonner Beethoven Orchester spielte mit rund 700 Musikern und einem gewaltigen Chor zahlreiche Lieder und animierten zum Mitsingen.

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Neben all den Feierlichkeiten und durchaus positiven Impulsen fehlt an diesem Abend jedoch ein wenig die Stimme auf die es ankommt. Es wird viel über Zukunft geredet, doch was genau wünschen sich junge Menschen, die maßgeblich an dieser Gestaltung teilhaben? Was für Visionen für einen Glauben und für eine Welt haben sie? Im Gespräch mit dem Ministerpräsidenten Laschet, werden zwei junge Flüchtlingshelfer auf die Bühne geholt, die erzählen was sie tun und für ihr Engagement sehr gelobt werden. Doch auch sie hätten gefragt werden sollen, was für eine Kirche sie sich wünschen, was diese Institution überhaupt noch für sie bedeutet und wo es in den nächsten 500 Jahre hingehen soll.

So sind sich alle Gäste einig: Wo die Reformation die Kirchen gespalten hat, soll dieses Jubiläum sie wieder zusammenbringen und auch in Zukunft daran gearbeitet werden. Doch leider werden die, die diese Zukunft mitgestalten an diesen Abend zu wenig berücksichtigt.

Gejagt!

An diesem 15. Oktober zeigt sich nochmal der Sommer über dem Kölner Stadtteil Mühlheim. Es ist angenehm warm, während ich einer Gruppe Konfis hinterherlaufe, die eifrig mit einer Karte und einem Säckchen voller Edelsteine durch die Straßen läuft. Immer auf der Hut vor ihren Verfolgern, die sie auf Schritt und Tritt jagen.

Die Jugendlichen sind Teil des KonfiKrimis, der von der evangelischen Jugend in Köln und Umgebung anlässlich des Reformationsjubiläums ausgerichtet wurde. An zwei Tagen nahmen über 600 Konfirmanden und Konfirmandinnen an der Aktion teil. Dabei wurden sie in kleinere Gruppen aufgeteilt und besuchten in Mühlheim Stationen an denen sie knifflige Aufgaben zu lösen hatten und ihr Wissen über Luther und die Reformation auf den Prüfstand bringen konnten. So mussten sie an einer Station Kreuzworträtsel lösen, an einer anderen symbolisch über eine Leiter klettern um Ihre Ängste zu überwinden oder sich im Bogenschießen üben.

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Poetry Slam „WORTANSCHLAG“ Finale in Köln

Der Pokal geht nach Aachen!

Am 07.10.2017 war es soweit – Das große Finale von Wortanschlag- Deine These fand in der Trinitatiskirche in Köln statt. In vielen Vorentscheiden während der letzten Wochen innerhalb der Landeskirche, über die auch von uns hier berichtet wurde, wurden die besten Nachwuchsslammer gekührt, die nun in Köln aufeinandertrafen.

Um 19 Uhr gab Anke Fuchs, eine bekannte Poetry Slamerin, den Startschuss für das große Finale. Für acht Kirchenkreise traten folgende Teilnehmer an: Teresa Hank aus Trier, Charlotte Fischer aus Bonn, Tim Gehrmund aus Köln, Linda Kruta aus Krefeld, Lisa Kluge aus Düsseldorf, Lucas Kauls aus Niederberg, Lilli Köppel aus Aachen und Anne Faßbender.

Die Regeln für das Finale waren dieselben wie bei den jeweiligen Vorentscheiden und entsprachen denen von professionellen Poetry-Slam Wettbewerben. Alle Poeten und Poetinnen hatten 5 Minuten Zeit einen Text ihrer Wahl vorzutragen. Dabei war jede Textform erlaubt. Für die Bewertung gilt lediglich der Text und dessen Vortrag. Kostüme oder andere Hilfsmittel sind nicht erlaubt. Anders als bei den Vorentscheiden unterschied sich die Art der Abstimmung. Vorab wurden sieben Leute aus dem Publikum ausgewählt, die die Jury bildeten und am Ende der Vorträge den Text bewerteten.

Der Text der Gewinnerin auf YouTube:

Das Finale fand in zwei Blöcken á vier Poeten statt. Im ersten Teil des Abends traten Linda Kurta aus Krefeld, Lisa Kluge aus Düsseldorf, Anne Faßbender aus und Lukas Kauls aus Niederberg gegeneinander an. Sie erzählten dem Publikum von Ihren Gedanken zur Reformation, über Veränderungen durch Worte und über unsere Nutzung von Smartphones.

In einem zweiten Teil der Veranstaltung trafen dann Tim Gehrmund aus Köln, Charlotte Fischer aus Bonn, Lili Köppel aus Aachen und Teresa Hank aus Trier aufeinander. Es ging um das helfen im Alltag, was macht einen zu einem guten Menschen? Aber auch um Themen wie Umweltverschmutzung und die Verschwendung unserer Lebenszeit beim stundenlangen surfen im Internet.

Dabei schafften es die Poeten und Poetinnen immer wieder neue Denkanstöße dem Publikum mitzugeben. Dies begeisterte vor allem auch die Jugendpfarrerin Simone Enthöfer: „Ich habe großen Respekt vor euch, dass ihr mit uns eure Gedanken geteilt habt und euch so ja auch ein Stück weit verletzlich gemacht habt.  Ihr habt uns allen einen Spiegel vorgehalten. Vielen Dank an euch alle:“, sagt sie zum Abschluss auf der Bühne.

Lili Köppel ist nach dem Applaus der Zuschauer, dessen Lautstärke im Finale entscheidend war, die Siegerin des Poetry Slams Wortanschlag-Deine These. Der Titel geht demnach in den Kirchenkreis Aachen. Mit ihrem Sieg hat sie nicht gerechnet: „Ich hatte in der ersten Runde das Gefühl ich drifte etwas vom Thema ab, aber anscheinend ist es gut angekommen.“, sagt sie später im Interview.       Die Motivation zu ihren Texten sind oft zu Themen sie sie selbst stören. „Die Meinung sagen ist super wichtig. Man muss Stellung beziehen, damit sich die Dinge auch ändern.“ Ich versuche es nicht auf eine moralische Art und Weise zu machen, sondern möchte, dass die Leute vielleicht etwas mehr über das Thema nachdenken wenn sie den Text hören und vielleicht auch merken was sie selbst verändern können.“

In ihrem finalen Text, der den sperrigen Titel: „Warum meine Mathelehrerin damals recht hatte, als sie sagte, dass wir Mathe noch einmal brauchen würden“ trug, wird dies deutlich. Es ging um aktuelle Probleme in unserer Gesellschaft, die sie gekonnt mit den Grundrechenarten der Mathematik verband. Sie beschrieb den Populismus, der multipliziert wird, wie Wahrheit im Alltag subtrahiert wird und wie diese Bezeichnungen der Grundrechenarten für sie als Kind „Fremdwörter“ waren, die nun in ihren Sprachgebrauch integriert wurden – ganz unkompliziert. Warum soll dies also mit anderen „fremden“ Dingen nicht genauso funktionieren? Zum Schluss ihres Textes zeigt Lili dem Publikum die Potenziale der Mathematik auf. Wir brauchen sie nicht um irgendwelche Landflächen zu berechnen, um dann auf dieser Grundlage Grenzen zu ziehen. Sie schlägt ganz andere Dinge vor: „Die Multiplikation gibt uns die Möglichkeit kluge Gedanken zu vermehren. Lass uns den Hass aus unserem Leben subtrahieren. Wir können Differenzen begrenzen und lasst uns Vielfalt addieren und davon profitieren“, appelliert sie an die überwältigten Zuhörer und bietet somit die Schlussworte an diesem abwechslungsreichen Abend in der Trinitatiskirche in Köln.

Wortanschlag Vorentscheid in Düsseldorf

Am Montag den 02. Oktober 2017 rangen 6 Künstler*innen vor einem Publikum von ca 30 Leuten um den Einzug ins Wortanschlag-Finale, am 07. Oktober in Köln.

Aber von Anfang an: Der „Wortanschlag – Deine These“ Poetry Slam ist ein Beitrag der Evangelischen Jugend im Rheinland zum Reformationsjubiläum. In 8 Städten gab es dazu Vorentscheide. Die Gewinner*innen dieser Vorentscheide vertreten ihre Stadt beim Finale in Köln.

In Düsseldorf fand der letzte dieser Vorentscheide statt.  Und aufregender und knapper hätte es kaum sein können. 6 Poetinnen und Poeten traten in der Vorrunde an. 3 erreichten unter großem Applaus das Dreier-Finale.  Anders als in der Vorrunde wurde hier der Sieger nicht mehr durch eine Jury mit Wertungskarten, sondern mittels Applaus gekürt. So der Plan. Auch nach dreimaligem Applausometer war zwischen den beiden Favoritinnen Natascha und Lisa kein Unterschied in Lautstärke und Intensität des Applauses auszumachen. Kurzerhand kürten wir beide zu Doppelsiegern. Um dennoch zu bestimmen, wer Düsseldorf im Finale vertritt stimmte das gesamte Publikum mittels Hüten und Kronkorken ab.

Fest steht also, dass Lisa uns im Finale vertritt. Dafür wünschen ihr alle viel Spaß und Erfolg!

Auch allen anderen Poet*innen des Abends an dieser Stelle noch einmal vielen Dank für Eure These, Texte und Beiträge.

Bis bald!

Einige Videos findet ihr im YouTube-Channel der Jugendkirche Düsseldorf. Die Texte von Lisa gibt es dort erst nach dem Finale um auch ja nichts vorweg zu nehmen. Daher hier das zweite Final-Doppelsieg-Gewinnervideo von Natascha.

Poetryslam, Politik und persönliches Auseinandersetzen mit Luther – Reformationsfest in Trier

Tier. Am Sonntag, 24. September, fand das Reformationsfest des Kirchenkreises im Palastgarten Trier statt. Mit dabei: Sechs Poetryslammer und -Slammerinnen, die mit ihren Texten zu Politik, Sozialem und Luther begeisterten.

„Sonntagnachmittag, 15:30, Sonnenschein auf den Liegewiesen im Palastgarten“ begrüßt Moderator Peter Stablo die Zuschauer, die sich zahlreich auf den Sitzbänken vor der großen Bühne eingefunden haben.

An den vielen Ständen auf dem Reformationsfest gibt es viel zu entdecken, Foto Miriam Wilms
An den vielen Ständen auf dem Reformationsfest gibt es viel zu entdecken, Foto Miriam Wilms

Katinka Fries, Jungendreferentin im Kirchenkreis Trier, ist zuständig für das Reformationsfest und möchte damit Reformation „für Kinder und Jugendliche zugänglich machen“. Es soll darum gehen, dass die Kinder überlegen, welche Thesen heute wichtig sind und was sie selbst der Gesellschaft sagen wollen. Frau Fries überlegt bei der Frage nach ihrer eigenen These und sagt schließlich: „man sollte glücklicher sein, die Augenblicke genießen, inne halten in dieser hektischen Welt.“

Heute im Palastgarten ist das möglich, das Wetter ist perfekt um im Park zu sitzen, etwas zu essen und zu trinken, eine der vielen Spielaktivitäten zu nutzen und sich Poetryslams anzuhören. Denn das steht heute im Mittelpunkt: Der Vorentscheid des Projektes „Wortanschlag“, bei dem Jugendliche und junge Erwachsene mit ihren eigenen Texten gegeneinander antreten.

Auch für die Jüngeren gibt es viele Spielmöglichkeiten im Palastgarten, Foto Miriam Wilms
Auch für die Jüngeren gibt es viele Spielmöglichkeiten im Palastgarten, Foto Miriam Wilms

Schon am Vormittag konnten interessierte Festbesucher an einem Poetryslam-Workshop teilnehmen, spontan Gedanken austauschen und improvisieren. Einer von ihnen, Thomas, traut sich sogar beim späteren Wettkampf mit auf die Bühne.

Außer ihm sind es noch fünf weitere  Teilnehmer: Martin Schüttö, Philipp Dewald, Benedict Hegemann, Vroni Tombers und Teresa Hanck.

Die sechs Teilnehmer beim Wortanschlag in Trier v.l.n.r. Thomas, Teresa, Vroni, Benedict, Philipp und Martin, Foto Miriam Wilms
Die sechs Teilnehmer beim Wortanschlag in Trier v.l.n.r. Thomas, Teresa, Vroni, Benedict, Philipp und Martin, Foto Miriam Wilms

Der Slam beginnt, und schnell wird klar: Dass heute auch Bundestagswahl ist, ist sowohl Slammern als auch Zuschauern bewusst. Die Texte der jungen Erwachsenen drehen sich um Politik, kritisieren und erläutern aktuelle Zustände. Martin beginnt und setzt in seinem Vortrag Zitate von Martin Luther kritisch in Verbindung zur heutigen Politik: „‘Kein Irrtum ist so groß, der nicht seinen Zuhörer hat‘“ zitiert er Luther und bezieht diese These im nächsten Satz auf den amerikanischen Präsidenten Donald Trump und seine Wähler. In seinem Text bezieht er sich unter anderem auch direkt auf die aktuelle Wahl und die Nichtwähler: „Das ist die gefährlichste Anfechtung, wenn keine Anfechtung da ist“. Doch Martin hat Hoffnung und endet mit einem Appell: Sich die Aussage Luthers „Wenn ich wüsste, dass morgen der jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“ zu Herzen zu nehmen und etwas zu ändern.

 

Benedict ist 26, freiberuflicher Künstler, organisiert eigenes Poetryslamming in Frankfurt und  ist ebenfalls sehr politikinteressiert. Er ruft das Publikum zum Mitmachen auf, fragt, wer heute schon wählen war. Fast jeder Zuschauer zeigt auf. Dass es eine möglichst hohe Wahlbeteiligung gibt, scheint heute in Trier jedem sehr wichtig zu sein. Benedicts Wunsch ist es, mehr Demokratie zu wagen, er sieht allerdings auch, dass dies nicht immer ohne Arbeit funktioniert: „Demokratie  ist kein Kaffee zu mitnehmen“ sagt er, „Wohin führt der Weg? Das liegt an euch“.

 

Auch in dem Poetryslam von Philipp geht es um Missstände und aktive Hilfe. Die Individualität der Vorträge zeigt sich in Philipps Text: Er ist in Reimform und klingt eher wie ein Gedicht. Philipp setzt die Realität als harte Gegenwart zu einer friedlichen Traumwelt, kritisiert: „Die Welt dreht und dreht sich, kaum einer versteht sich“ und ruft am Ende dazu auf, „[…] mehr Platz zu schaffen voll Freiheit und Liebe wo jeder gern bliebe“. Ein Aufruf, der gut zur Reformation passt.

 

Als nächstes betritt Vroni die Bühne: Es sei ihr erster Slam, erklärt sie direkt,  und bittet um Güte. Darum dreht sich auch ihr Text: An Hand der Geschichte von Romeo und Julia stellt sie soziale Ungerechtigkeit dar. „Ihr solltet anderen ihr Glück gönnen, in Zeiten in denen Glück eine Rarität geworden ist“ erinnert sie.

Und auch Thomas, der spontan dabei ist, möchte in seiner Geschichte über einen roten Pavillon mehr Glück und Freundschaft schaffen. In einem kleinen Seitenhieb schließt er seine Rede mit der Aussage „wir hoffen alle, die AfD bleibt draußen, und alles wird gut!“.

 

Das zweite teilnehmende Mädchen ist Teresa, sie ist 20 und heute das zweite Mal bei einem Poetryslam dabei. Sie hat einen Text vorbereitet, den sie geschrieben hat, nachdem sie wieder stundenlang vor dem Computer saß. Sie erzählt von dem         Versinken in die Welt des Internets und befasst sich damit, ob diese Erfindung „uns eigentlich gut tut“. Teresa lässt den Zuschauer an ihren Gedankengängen teilhaben und erklärt: „doch wo bleibt da das eigenständige Denken? War es nicht das ausbrechen einzelner Menschen aus den Normen was die breite Masse zu Reformen gebracht hat? […]  warum den Tag nicht einfach vor sich hinplätschern lassen, unsere Zeit verschwenden und machen was uns gefällt, und dann vergessen wir einmal das Geld?“ Das Publikum jubelt.

 

Die Abstimmung ist schnell vollzogen: Der Moderator Peter Stablo erklärt, dass das Publikum mit seinem Applaus entscheidet, je mehr Applaus, Gerufe und Getrommel man höre, desto besser würde der jeweilige Slammer abschneiden. Für jeden der Teilnehmer gibt es einen tosenden Applaus, am lautesten ist er bei Teresa. Sie wird nach vorne gerufen und als Gewinnerin ernannt.

Teresa Hanck darf nun am 7. Oktober zum „Wortanschlag“ Poetryslam Finale nach Köln und sich dort behaupten. Was sie dort vortragen möchte, weiß sie noch nicht, allerdings ginge es in ihren Texten immer um etwas, was sie „irgendwie nervt“. Damit wolle sie wachrütteln und das Bewusstsein dafür schaffen, dass man Dinge, die einem nicht gefallen, ruhig ansprechen darf.

 

Gewinnerin Teresa Hanck, 20 Jahre alt
Gewinnerin Teresa Hanck, 20 Jahre alt

Nach dem Poetryslam ist jedoch noch nicht alles vorbei: Es gibt viele Stände mit Essen und Trinken, Kinderbasteln und Infostände zum Lutherjahr. Frauke Euen, Hauptamtliche Mitarbeiterin im Evangelischen Kirchenkreis Prüm, leitet die Kinderbetreuung. Dort können Lutherfaltbilder gemacht werden, es gibt „Basteln mit der Lutherrose“ sowie Freundschaftsbänder zum Knüpfen. Besonders gut gefällt Frau Euen das „friedliche, freudige Treiben“ heute beim Reformationsfest. Sie finde es sehr wichtig, so ein Fest zu veranstalten, da die Reformation ihrer Meinung nach noch lange nicht abgeschlossen sei.

„Es muss ja noch viel passieren“, sagt sie, „mehr Menschenliebe auch über Religionen hinaus. Wenn Ende der Woche ein gemeinsames Abendmahl stattfinden könnte, das würde mir gefallen!“

 

Von Miriam Wilms